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Eine zunehmende Zahl von ÖsterreicherInnen interessiert sich dieser Tage für ökologisch nachhaltigen Strom. Kein Wunder also, dass immer mehr Stromanbieter mit derartigen Angeboten aufwarten. Warum Ökostrom Sinn macht und worauf man bei der Wahl eines Anbieters achten sollte, lesen Sie in diesem Artikel.

 

Ob man es nun als Grünstrom, Naturstrom oder Ökostrom bezeichnet, gemeint ist immer dasselbe. Es handelt sich um Strom, der aus umweltfreundlichen, erneuerbaren Energiequellen stammt. Zu diesen zählt Wasser- und Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme und auch Gezeitenenergie. Ökostrom kann außerdem rohstoffabhängig aus Biomasse sowie Klär- und Deponiegas erzeugt werden. Strom der durch konventionelle, nicht erneuerbare Energieträger wie Kohle, Gas, Erdöl und Atomenergie gewonnen wird, gilt hingegen nicht als Ökostrom.


Nicht ganz transparent


Laut Stromkennzeichnungsbericht 2017 der E-Control werden in Österreich 86,74?% des verbrauchten Stroms als Ökostrom deklariert. Tatsächlich werden jedoch nur 71?% aus erneuerbaren Energiequellen in Österreich produziert. Der Rest wird in Form von Herkunftsnachweisen aus dem Ausland zugekauft, meist aus norwegischer Großwasserkraft. Dies ist möglich, da in der EU Strom und Nachweise getrennt voneinander gehandelt werden dürfen. Auf diese Weise können Stromanbieter ihre eigene fossile Stromproduktion nachträglich grün färben. Die durch das Ökostromgesetz 2012 verpflichtende Stromkennzeichnung auf der Rechnung ist zwar grundsätzlich ein guter Ansatz, um KundInnen über ihren Strombezug zu informieren. Sicheren Aufschluss darüber, ob ein Anbieter auch wirklich unabhängig von fossilen Energieträgern agiert, gibt sie allerdings nicht.

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Warum Ökostrom? 


Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern ist Ökostrom CO2-frei oder CO2-neutral, wodurch ein wichtiger Beitrag gegen das Fortschreiten des Klimawandels geleistet wird. Zudem wird durch den Bezug von Ökostrom der Anteil an erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch langfristig erhöht, wodurch die Stromversorgung insgesamt umweltverträglicher wird. Schließlich reduziert die Produktion von Ökostrom die Notwendigkeit des Energie-Imports, und in vielen Fällen stärkt der Ausbau erneuerbarer Energien die regionale Wirtschaft. Kritisch zu betrachten ist hingegen, dass die Errichtung mancher Ökostromanlagen, wie beispielsweise Wasserkraftwerke, beträchtliche und langfristige Folgen für die Natur nach sich ziehen. Zudem sind Rohstoffe wie Biomasse und landwirtschaftliche Produkte zum Teil auch nur begrenzt verfügbar, und die Energieerzeugung mittels Pflanzen steht teils in direkter Konkurrenz zu deren Verwendung als Nahrungs- bzw. Futtermittel. Im Vergleich mit fossilen Energieträgern und Atomstrom fällt die Bilanz aber definitiv zugunsten von Ökostrom aus.

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Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom


Aufgrund steigender Nachfrage ist die Zahl an Ökostrom-Anbietern in Österreich über die letzten Jahre hinweg merklich gestiegen.
Hilfe bei der Wahl eines grünen Tarifs bieten sowohl der Tarifkalkulator der E-Control, bei dem die gesetzlich vorgeschriebene Stromkennzeichnung mitberücksichtigt wird, als auch private Vergleichsportale, wie beispielsweise durchblicker.at, wo die Suche auf reine Ökostromanbieter beschränkt werden kann.
Dennoch ist laut der Umweltschutzorganisation „Gobal 2000“ bei der Wahl des Anbieters Vorsicht geboten. Denn manche Stromanbieter sind grüner als andere. So handelt es sich bei manchen Ökostrom-Anbietern um Tochtergesellschaften größerer Konzerne, die weiterhin in fossile Energieträger investieren. Die Energiewende wird bei Bezug dieses „Naturstroms“ nicht vorangetrieben, da die Gewinne der Ökostrom-Tochter ja auch dem Mutterkonzern zugutekommen.
Im Stromanbieter-Check 2017 von „Global 2000“ und dem „WWF“ wurde schließlich ein Großteil der österreichischen Stromanbieter im Hinblick auf Stromherkunft und ihre tatsächliche ökologische Ausrichtung untersucht. Auf diese Weise bietet der Check eine solide Informationsgrundlage für StromkundInnen. Das Ergebnis des Checks ist allerdings ernüchternd: Über 50?% des in Österreich verbrauchten Stroms wird von Energieunternehmen bezogen, die zum Teil noch stark im konventionellen Energiesektor verhaftet sind. Laut Bericht stellen jene Anbieter, die wirklich langfristig an einer Energiewende und dem damit verbundenen Ausbau erneuerbarer Energieträger interessiert sind, aktuell lediglich 1,5?% des österreichischen Strommarktes.

 

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Hier gibt es also noch viel Luft nach oben. Um dieses auszuschöpfen, bedarf es schließlich verantwortungsbewusster KundInnen, die bereit sind, auch ein wenig hinter die Fassade zu blicken.